Impressionen der 4.Psychiatrietage Berlin

manchmal ist es zum SCHREIENVOM SCHLECHTEN DAS GUTE

Ich habe es mal wieder versucht, mich unter die profesionellen Helfer, die Kollegen zu begeben.

Das Thema interessierte mich wirklich – Posttraumatische Belastungsstörung und Borderline Störung.

Ohh das Wort Störungen ist echt nicht meine Welt, merkte ich wieder mal sehr bald, aber so sprechen sie die wissenschaftlich fundierten „Profis“.
Ich dachte, vielleicht bekomme ich ja Neues, Hilfreiches für meine Arbeit zu hören. Austausch ist mir wichtig.
Mir blieb nur noch der Mund offen stehen und die Nackenhaare sträubten sich mir, als ein Video über einen sympathischen kreuzbergerisch anmutenden jungen Mann gezeigt wurde, der zu seinem selbstverletzenden Verhalten befragt wurde. Wie oft schneiden Sie sich…ect.
Bereitwillig gab er Auskunft. Er wußte genau über sich bescheid. Bewunderswert, wie genau er mit dieser Hilfsmöglichkeit sich zu schneiden umging, die er so sagte er deutlich brauchte, um am Leben zu bleiben, sich nicht umzubringen.
Ich fragte mich: was weiß der Befrager über sich? Die Fragen zeigten, verstand nichts, fragte suggestiv, nach einen Schema, hörte nicht auf den Sinn der Antwort. Zwei komplett getrennte Welten. Es entstand nicht der Ansatz von einem Austausch. Der Befrager wollte nur seine Sichtweise bestätigt bekommen.
Eine Mauer so hoch wie der Mont Everest war zwischen den Beiden spürbar.

Ich dachte mir:
NIEMALS hatte der Befrager über seine eigenen Sopannungsabbaumethoden nachgedacht, geschweige denn nachgefühlt.

Befremdlich, jemand, der sich nicht einfühlen kann, soll jemandem helfen können? Gruselig!!

Ich wurde immer wütender, je länger diese sogenannte Fortbildung mit Bepunktung zur ärztlichen Weiterbildung dauerte. Statistiken, Forschungsergebnisse, Diagnoseerklärungen, Schubladen über Schubladen.

Zwischendurch dachte ich: Was hast Du denn erwartet? Ich hatte es einfach vergessen, wie das so abgeht.
Ich bin gegangen, Kursgebühr hin oder her.

Dann doch noch mal zurück gekommen. Ich gebe die Hoffnung ja nicht so schnell auf, doch noch ein Korn zu finden.
Da war es: Prof. Peter Fiedler, ein Mensch!! dem es TOTAL egal war, was die Anderen profilierungssüchtigen auf Forschungsgelder scharfen Kollegen erzählen.
Er machte sein Ding. Sprach von gesellschaftlichen Strukturen, die krank machen, von unkonventionellem, weil eben persönlichem Kontakt, der Angst der Therapeuten, die sich dadurch zeigt, dass sie sich hinter ihren Methoden verstecken, er forderte den Mut zur Unsicherheit, betonte die Kompetenz der sogenannten Hilfesuchenden und am Schluss kam der Satz:

OHNE SYMPATHIE KEINE HEILUNG!!

Ja!! Genau!
Ich klatschte laut und die „Kollegen“ guckten pikiert.

Jetzt weiß ich auch, warum ich zu der Tagung gegangen bin.
Ich brauche manchmal den Vergleich, um mir klarzumachen, das ich mit meiner Arbeit noch auf dem richtigen Weg bin.
An dem (für mich) „Schlechten“ erkennt man das Gute.

Die Aborigines sagen: Das riecht für mich nicht gut, das brauche ich nicht für mich. Ich würdige aber dennoch sein Dasein, denn für jemand anderen kann es gut sein und gehe weiter meinen Weg.

Erkenntnis:
Ich muss diese Tagung nicht abwerten, aber auch nicht gut heißen.
Ich unterscheide einfach: das will ich, das will ich nicht.
Mehr ist damit nicht zu tun.

Über sabinepabel

Ich habe eine Praxis für Kunsttherapie und Traumatherapie / Somatic Experiencing in Berlin Kreuzberg/Mitte, Deutschland. Dieser Blog bildet einen Übergang / ein transitional zwischen Themen, die mich beruflich und privat bewegen. Meine Website: www.kunsttherapie-pabel.de
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