ÜBER DAS VERHANDELN

Sabine Pabel
Wir haben so viel Angst voreinander, deswegen machen wir u.a. Schubladen, Diagnosen, Zuordnungen.
Sie schaffen einen Abstand, damit wir nicht schmerzhaft miteinander verschmelzen, mit-leiden.

Halten wir Zuordnungen zu lange aufrecht, werden sie zu Dogmen, werden sie sehr schmerzhaft, weil starr werden tut weh. So entsteht dann ein Abstand, zwischen dem Helfer, dem Arzt ect. der angeblich Alles weiß, oder wissen muss und dem Unwissenden, dem Patienten (lat.Leidenden) der nichts weiß, angeblich!!

Es scheint so, als wäre die Diagnose, die Zuordnung eines Menschen in eine Gruppe, ein Schutz, der zur unüberwindlichen Mauer werden kann, der die Einfühlung, das Mitgefühl, dass Mitmenschliche (ich kenne das auch, bin ein leidender Mensch,wie Du), somit das Verbindende unterbricht.

Wie kann man aber einer Therapeutin, einem Arzt, einem Helfer trauen, der „das“ auch kennt? Vielleicht ist er zu schwach zu helfen, hat nicht genügend Distanz? Ja, genau, da erscheint das Misstrauen. GUT SO!! das heißt, jemand prüft, was geschieht.
Sabine Pabel
Sonst schaffen wir nämlich ein IDEAL-Bild, das Bild desjenigen, der stark ist, der Bescheid weiß, da er den Überblick hat.
Sabine Pabel
Sieht vielleicht dann so aus wie ich auf diesem Foto :-((…. sehr unangenehmer Gedanke für mich, bei meiner Arbeit SO drauf zu sein !! aber wie man sieht, kann ich sehr wohl im „Leben“ mal so drauf sein (bitte sagen Sie es mir dann,-)

So geben wir unsere Eigen-Verantwortung, unsere Eigenwahrnehmung das was wir selber über uns wissen ab, machen uns hilflos.
Denn, wenn der Eine Bescheid weiß und der Andere nicht, gibt es kein Verhandeln über die Wahrheit, da gibt es nur eine Wahrheit, die desjenigen der Bescheid weiß. Das ist zu viel Macht für den einen und zu wenig Macht für den andern.
Hat jemand zu viel Macht, wird er wieder ohnmächtig, denn er kann mit der Menge nicht umgehen. Dies geht vielen Ärzten/Therapeuten/Social Workern so, denn eigentlich sind sie, kann man nur hilflos sein, ob der Menge des Leidens, was sie lindern sollen. Sie machen dicht, grenzen sich ab, fühlen nicht mehr mit, haben kein Mitgefühl mehr, werden zu Göttern in Weiß, die Bescheid wissen, unerreichbar für den Patienten.

Verhandeln heißt, Abstand und Kontakt im Wechsel, Unsicherheit, mmmhhh…und was passiert jetzt?? KEINE Ahnung……mal sehen…… Sabine Pabel Nachspüren, Überprüfen, misstrauisch sein, Zweifeln, Suchen, Definieren und Definitionen wieder aufgeben. Es ist ein hin und her, ein Fluß, bei dem beide Einfluss haben.
Dazu gehört, die Abstände zu variieren, das Hingehen und wieder weg gehen dürfen, das Wählen von Nähe und Distanz, das Spiel damit,Sabine Pabel was aufregend ist, Spass machen kann,Sabine Pabel weil man nicht weiß, was dabei heraus kommen wird, ein Spiel, welches Anziehung wie auch Abstoßung würdigt.
Diese beidseitige Ausprobieren was stimmig ist, lässt Mauern immer nur kurzzeitig nützlich und hilfreich sein, dort wo Klarheit, Halt, Struktur, Rahmen, Sicherheit Ruhe, Stille, Positionierung beidseitig gewünscht ist.

Ich sage den Menschen, die zu mir kommen immer: „Seien Sie misstrauisch, prüfen Sie was passiert, fragen sie nach, wenn Ihnen etwas komisch vorkommt, verhandeln sie mit mir um die Bedingungen dessen, was hier passiert, nehmen sie Einfluss, sagen Sie mir was sie brauchen, denn ich weiß es nicht (wirklich)“.
ICH SCHWÖRE ;_))
So entsteht ein Rahmen, den beide Gestalten, der Inhalt ist frei verhandelbar.wahrnehmen

Diese Art zu arbeiten, schützt mich davor zu mächtig zu werden, auszubrennen-burn out, weil mich jemand anders zu viel Macht über ihn gibt. Was ich als Geschenk zu meinem Honorar dazu bekomme, ist wirkliche Nähe, Kontakt und Freude, einer der vielen Gründe, warum ich meine Arbeit sehr gern tun.

Über sabinepabel

Ich habe eine Praxis für Kunsttherapie und Traumatherapie / Somatic Experiencing in Berlin Kreuzberg/Mitte, Deutschland. Dieser Blog bildet einen Übergang / ein transitional zwischen Themen, die mich beruflich und privat bewegen. Meine Website: www.kunsttherapie-pabel.de
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Eine Antwort zu ÜBER DAS VERHANDELN

  1. lebe03 schreibt:

    Ich freue mich das zu lesen und es sagt „ja“ in mir. Bin neulich über eine Veranstaltung namens „Mitgefühl statt Burn-Out“ gestolpert. Das fand ich toll, weil es mich inne halten lies und ich dachte: „Ja, das gibt dem, was ich zunehmend erlebe eine Klammer.“ Seit ich besser mitfühlen kann, was ich im Kontakt mit all den Menschen bei meiner Arbeit erlebe, geht es mir viel besser dabei. Mal werde ich neugierig, mal ärgerlich, mal angespannt, gereizt und immer wieder hüpfe ich gerade zu vor Freude. Und es wird auch immer interessanter, meine Reaktionen vielfältiger. Mal sehen, was die Reise noch mit sich bringt. Der Weg wird mich schon finden…

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